Visuelle Entwicklungsstörungen treten bei etwa 10-15% aller Kinder auf. Darunter sind z.B. Augenlinsentrübungen, Brechnungsfehler und Augenfehlstellungen. Diese bedrohen die Reifung des Sehsinns bei Kleinkindern, was zu einer irreparablen Sehschwäche (Amblyopie) eines oder beider Augen führen kann, verbunden mit fehlendem räumlichem Sehen. Kleinkinder können visuelle Defizite nicht selbst erkennen und äußern, andererseits sind sie ihnen nicht immer anzusehen. Um die Früherkennung der Risikofaktoren zu verbessern, entwickelt der FB Schielwinkelmessung objektive, automatisierte Techniken, welche bei Kleinkindern eingesetzt werden können.
Pseudostrabismus
bei einem Kleinkind mit Epikanthus
Etwa 5-7% der westeuropäischen Bevölkerung sind von einer Schielkrankheit betroffen. Neben der kosmetischen Belastung ist die Gefahr der Sehschwäche ohne Behandlung groß. Auch das kosmetisch unauffällige Schielen von wenigen Grad (Mikrostrabismus, Häufigkeit etwa 1%) ist gefährlich für die gesunde Sehentwicklung. Viele Kleinkinder weisen allerdings einen Pseudostrabismus auf (scheinbares Schielen). Dies ist von einem echten, behandlungsbedürftigen Schielen zu unterscheiden. Hierfür entwickelt der FB Schielwinkelmessung ein vollautomatisches Computer-Schielwinkel-Meßgerät.
Kleinkind
mit fraglichem Schielen des rechten Auges
Bei der objektiven Messung von Augenfehlstellungen und in der physiologischen Optik werden die sogenannten Purkinje-Reflexbilder als Meßgrößen benutzt. Das 1. Purkinjebild ist der leicht beobachtbare Hornhautreflex. Dieser entsteht durch Spiegelung einer Lichtquelle an der konvexen Hornhautvorderfläche.Weitere Reflexe entstehen durch spiegelnde Abbildung an den tiefer gelegenen optischen Grenzflächen des Auges. Die Größe und Position dieser Reflexe kann in Bildern des Auges vermessen werden. Sie geben Aufschluß über Krümmungsradien und relative Orientierung der brechenden Flächen zueinander und zu vor dem Auge gelegenen Lichtquellen. Viele im FB Schielwinkelmessung benutzte Meßtechniken beruhen auf diesen Eigenschaften.
Schnitt
durch das Auge mit schematischer Darstellung der Entstehung von Purkinje
Reflexen P1 bis P4 bei Lichteinfall von unten
Dieses erste derartige Meßgerät erfaßt die Augenstellung mit einer Serie von Einzelbildern, die in wenigen Minuten aufgenommen werden. Diese werden automatisch ausgewertet; die Meßdaten werden untersucherunabhängig interpretiert. Dazu werden Prinzipien der digitalen Bildverarbeitung und computergestützten Diagnosestellung entwickelt und eingesetzt.
Einsatz
des handgehaltenen Kameramoduls des Computer-Schielwinkelmeßgerätes
(sichtbares Blitzlicht als Lichtquelle)
Das Computer-Schielwinkel-Meßgerät und andere Entwicklungen werden in der Sektion für Motilitätsstörungen, Abt. II der Augenklinik, eingesetzt und erprobt, so daß eine Vervollkommnung durch die klinischen Ergebnisse möglich wird.
Orthoptische Untersuchung eines Kleinkindes mit 20-Prismen-Basis-außen Test und Abdeck-Test.
Im Umfeld der Entwicklung neuer Untersuchungstechniken werden Untersuchungen im Bereich der physiologischen Optik erforderlich. Dafür werden neue Meßtechniken entwickelt und erprobt. Beispiele dafür sind Patienten- und Probandenuntersuchungen, Messungen an selbstenwickelten Modellaugen, und die Entwicklung von Software zum Computer - ray tracing.