|
UNIVERSITÄTS-AUGENKLINIK
TÜBINGEN |
||||||||||||||||||||||
Anatomie und Funktion der Hornhaut Die Hornhaut (Kornea) bildet gemeinsam mit der Lederhaut die äußere Hülle des Augapfels (Abb. 1). Im Randbereich geht sie in die Lederhaut über. Sie schützt damit wie die Bindehaut und Lederhaut das Augeninnere vor Infektionen. Im natürlichen, nicht von Krankheit betroffenen Fall ist sie völlig klar und ermöglicht damit den Eintritt von Licht in das Auge. Als wichtiger Teil des optischen Systems des Auges wird das Licht zusätzlich durch die Wölbung der Hornhaut in bestimmten Maße gebrochen. Die Hornhaut des Erwachsenen ist zentral etwa 0,6 mm, im Randbereich 0,8 mm dick und weist einen Durchmesser von etwa 11,5 mm auf. Die Hornhaut besitzt keine Gefäße, was ihr die besondere Ddurchsichtigkeit verleiht. Dagegen besteht eine reichliche nervale Versorgung (N. trigeminus, V/I). Die Ernährung der Hornhaut erfolgt einerseits über das Kammerwasser, andererseits über den Tränenfilm und die Atmosphäre (Sauerstoffversorgung). Die Hornhaut besitzt einen mehrschichtigen Aufbau (Abb. 1):
Ursachen für Erkrankungen der Hornhaut Schädigende Prozesse der Hornhaut können vielfältiger Natur sein. Hierzu gehören v.a.
Entzündliche Veränderungen (Keratitis) a) - Infektiös Infektiöse Hornhauterkrankungen können durch Bakterien und Viren, in seltenen Fällen auch durch Pilze oder andere Erreger ausgelöst werden. Eine bakteriell bedingte Hornhautentzündung wird sich zumeist durch ein plötzlich einsetzendes entzündliches Geschehen mit Schmerzen, Sehverschlechterung und Rötung des Auges bemerkbar machen. Bakterielle Hornhautentzündungen sind wahrscheinlich die häufigsten und am schnellsten verlaufenden Entzündungen. Häufig gehen der Infektion der Hornhaut leichte Verletzungen voraus, die zu einer Eröffnung der Hornhautoberfläche führen und damit ein Eindringen der Keime in die Hornhaut erleichtern. Zahlreiche Keime hönnen für solche Entzündungen verantwortlich sein. Staphylokken, Streptokokken und Pseudomonas sind einige der häufigsten Keime. Das klinische Bild kann erheblich variieren und erlaubt gelegentlich dem Arzt bereits eine gewisse Zuordnung zu einem bestimmten Erreger (Abb. 2). Vor Beginn einer antibakteriellen Therapie wird zumeist ein Abstrich von Bindehaut und Hornhaut zur Keimnachweis und Resistenzbestimmung vorgenommen. Die antibakterielle Therapie wird in der Regel zunächst in Form von Tropfen, manchmal kombiniert mit einer Gabe von Antibiotika unter die Bindehaut, erfolgen. Die Prognose solcher bakteriellen Hornhautentzündungen kann nicht verallgemeinert werden. Je agressiver der Keim ist und je stärker die Hornhaut bei Therapiebeginn bereits betroffen ist, umso weniger ist ein folgenloses Abheilen zu erwarten. Dann muß mit dem Zurückbleiben von Hornhautnarben gerechnet werden, die das Sehvermögen wiederum sehr unterschiedlich beeinträchtigen können.
b) - Nicht-infektiös Hornhautentzündungen nicht-infektiöser Natur sind nicht selten. Dies betrifft vor allem oberflächliche Veränderungen der Hornhaut, die in Zusammenhang mit einem ausgeprägten trockenen Auge (Keratokonjunktivitis sicca) auftreten können (Abb. 5). Die Beschwerden können sehr variabel sein, vor allem imponieren aber Fremdkörpergefühl und Schwankungen im Sehvermögen. Im Vordergrund der Behandlung steht die Gabe von künstlichen Tränen.
Hornhautentzündungen nicht-infektiöser Natur können in Zusammenhang mit Allgemeinerkrankungen auftreten. Hier muß insbesondere an die primär chronische Polyarthritis gedacht werden. Es handelt sich dabei oft um eher schmerzlose Hornhautgeschwüre im Randbereich der Hornhaut, die schnell zunehmen und sogar zu einer Perforation der Hornhaut führen können (Abb. 6). In diesen Fällen ist das gemeinsame Vorgehen von Augenärzten und Rheumatologen für eine erfolgreiche Behandlung sehr wichtig. Neben der primär chronischen Polyarthritis können auch andere, sogenannte Autoimmunerkrankungen, entzündliche Veränderungen der Hornhaut bedingen. Gelegentlich führt die Diagnose der Hornhauterkrankung als Erstsymptom sogar erst zum Erkennen der zugrunde liegenden Allgemeinerkrankung.
Degenerative Veränderungen Degenerative Veränderungen der Hornhaut müssen nicht immer Krankheitswert haben. So ist im Alter sehr häufig der sogenannte Arcus senilis (Greisenbogen) zu beobachten, wobei es sich um die Ablagerung von Fettstoffen im Randbereich der Hornhaut handelt (Abb. 7). Eine Behandlung ist hier nicht erforderlich.
Erbliche Veränderungen und Störungen der Wölbung (Keratokonus) Erblich bedingte Veränderungen der Hornhaut werden unter dem Sammelbegriff der Hornhautdystrophien zusammengefaßt. Hierbei handelt es sich um eine ganze Reihe unterschiedlicher Erkrankungen, die in der Regel beidseitig auftreten. Ihr oft typisches Bild erleichtert die Diagnosestellung wesentlich, auch wenn es sich um seltene Erkrankungen handelt. Eine häufigere Erkrankung ist der Keratokonus, der zwar ebenfalls zumindest teilweise genetisch bedingt scheint, dessen Ursache aber insgesamt noch weitgehend unbekannt ist. Es handelt sich um eine allmählich zunehmende Verdünnung und Vorwölbung der zentralen Hornhaut (Abb. 9). Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Die Erkankung wird meist im zweiten Lebensjahrzehnt auffällig, wobei vor allem eine allmähliche Verschlechterung des Sehvermögens beklagt wird. Diese beruht auf den Veränderungen der Hornhautwölbung, die zu einer Zunahme der Kurzsichtigkeit und Stabsichtigkeit führt. Bei den meisten Patienten läßt sich dies durch harte Kontaktlinsen, gelegentlich auch nur durch Veränderungen der Brillenkorrektur, ausreichend ausgleichen. Bei einem geringeren Teil der Patienten schreiten die Veränderungen aber weiter voran, so daß die Durchführung einer Hornhauttransplantation für die Wiederherstellung eines akzeptablen Sehvermögens notwendig ist. Dabei ist insgesamt von einer guten Prognose auszugehen.
Verletzungen der Hornhaut Verletzungen der Hornhaut sind häufig. Zumeist handelt es sich um leichte Verletzungen, die oberflächlicher Natur sind und eine gute Heilungstendenz aufweisen. Hierzu gehören oberflächliche Hornhautfremdkörper, die in der Regel gut entfernt werden können. Die oberflächliche Abschürfung des Hornhautepithels wird als Erosio corneae bezeichnet (Abb. 10). Da die Hornhaut eine gute nervale Versorgung hat, treten zum Teil recht heftige Schmerzen auf. Die Behandlung mit Verband und antibiotischer und pflegender Augensalbe wird meist ausreichend sein und innerhalb von ein bis zwei Tagen zum vollständigen Abheilen des Oberflächendefektes führen. Selten kann aus diesem einmaligen Ereignis eine Schwäche des Hornhautepithels resultieren, so daß es in unregelmäßigen Abständen wiederholt zum Aufreißen der Hornhautoberfläche (typischerweise morgens) mit entprechenden Beschwerden kommt (rezidivierende Erosio). Die Behandlung muß dann intensiviert werden, z.B. durch den Einsatz therapeutischer Kontaktlinsen.
Veränderungen als Folge medizinischer Behandlung Der Einsatz von Medikamenten und die Durchführung operativer Maßnahmen am Auge können gelegentlich zu nicht erwünschten Effekten an der Hornhaut führen. Dies gilt sowohl für den direkten Einsatz von Medikamenten am Auge in Form von Augentropfen und -salben wie auch für den Einsatz von Medikamenten in Form von Tabletten oder Infusionen. Viele in der Augenheilkunde eingesetzte Medikamente, insbesondere mit Konservierungstoffen, können das Hornhautepithel aufgrund einer toxischen Wirkung schädigen. Der längere Einsatz von Kortikosteroiden in Form von Augentropfen oder -salben kann die Hornhautoberfläche negativ beeinflussen und zu Defekten im Hornhautepithel (Hornhautstippung) führen. Die Verwendung künstlicher Tränen bewirkt meist eine schnelle Rückbildung dieser Veränderungen. Wundheilungsprozesse der Augenoberfläche können durch Kortikosteroide im Sinne der Behandlung (z.B. Begrenzung der Ausbildung von Narben) beeinflußt werden, gelegentlich aber auch zu einer unerwünschten Verzögerung der Wundheilung führen. Jede Schädigung der Hornhautoberfläche, sei es durch Medikamente, birgt natürlich ein erhöhtes Infektionsrisiko in sich. Es sind jedoch nicht nur am Auge verwendete Medikamente, die eine unerwünschte Wirkung auf die Hornhaut ausüben können. Einige, im Rahmen von Allgemeinerkrankungen eingesetzte Medikamente (Tabletten) können z.B. zu Einlagerungen in die Hornhaut führen. Hier ist insbesondere das zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzte Amiodaron zu nennen (Abb. 11). Die über Monate langsam auftretenden wirbelförmigen Einlagerungen in der Hornhaut verursachen meist keine, selten geringfügige Beschwerden und sind nach Therapiebeendigung auch vollständig reversibel.
(Text und Abbildungen: PD Dr.T.Schlote , Augenklinik des Universitäts-Klinikums, Abteilung I, Schleichstr.12, D-72076 Tübingen.) |
||||||||||||||||||||||
HOME |